Vorwort

„E-Commerce ist eine Fleissarbeit“, liess Tim Bachmann, Head of E-Commerce bei Hotelplan Suisse, im Interview zum E-Commerce-Report 2010 wissen. Da ist was dran. In keinem anderen Verkaufskanal wird das Benutzerverhalten so transparent wie im E-Commerce. Jeder Schritt spiegelt sich exakt in einer digita-len Repräsentation, lückenlos und verlustfrei. Während wo anders erst Feldstudien oder Kundenbefra-gungen durchgeführt werden müssen, um das Kundenverhalten analysieren zu können, braucht man im E-Commerce nur die Datenbank auszuwerten.


Okay, das war eine Provokation. Ich nehme das „nur“ zurück. Das ist alles andere als einfach. Nicht nur das Handling der Massendaten – dafür gibt es Tools – sondern vor allem das Ziehen der richtigen Schlüsse. Es gibt nämlich keine Patentrezepte. Aber es bleibt die besondere Möglichkeit der Beobachtung im E-Commerce. Was funktioniert besser, was weniger gut? E-Commerce-Leader drehen sich permanent im Kreis. Wo stehe ich heute, wie könnte ich es besser machen? Ich probiere es aus, ich messe und vergleiche den Erfolg, ich ziehe meine Schlüsse, ich mache es erneut besser … Dabei braucht man nicht alles selbst zu erfinden, das würde wohl auch eher zur eigenen und kundenseitigen Überforderung führen. Aber es gibt einen State-of-the-art, an dem man sich orientieren kann. Oft entspricht er den Erwartungen vieler Kunden, was schon viel wert ist. Dieser State-of-the-art ist ständig im Fluss und entwickelt sich nicht in allen Branchen gleich. Aber er ist ein sinnvoller Ausgangspunkt für die eigene Positionierung. Hat man ihn erfasst, kann man entscheiden wo man sich an den State-of-the-art anlehnen will, wo man sich positiv abheben möchte und welche Mode man nicht mitmachen muss.

Die vorliegende Online-Shop Studie 2010 hilft, den State-of-the-art zu erfassen. Die Auseinandersetzung mit den Kriterien und Lösungen kann Optionen erschliessen und Zusammenhänge erkennen lassen. Einfach abkupfern wird dagegen nicht reichen – und ist immer zu langsam. Schlüsse ziehen, ausprobieren, messen und optimieren – das kann einem E-Commerce-Verantwortlichen niemand abnehmen.

Prof. Ralf Wölfle
Leiter Competence Center E-Business Basel
Institut für Wirtschaftsinformatik Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW

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